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Als Josef Sternberg Marlene für seinen Film „Blauer Engel“ entdeckte, war sie noch etwas pummelig. Also sollten auch die anderen Figuren im Film nicht zu dünn sein, damit sie nicht so voluminös aussähe. Außerdem steuerte er die Blicke der Zuschauer gezielt durch Lichteffekte und optische Attraktionen, um ihnen die Erotik, die sie ausstrahlte, kontrolliert zu übermitteln. In Hollywood spielte er dieses Spiel weiter, allerdings mit etwas vorsichtigeren Mitteln, da der Moralbegriff in Amerika ja enger gefasst war. So provozierten die beiden in „Morocco“, dem ersten amerikanischen Film am stärksten dadurch, dass Marlene in Männerkleidung auftrat. Von nun an zeigte sie sich auch privat auf diese Art, wodurch sie eine unglaubliche Irritation unter der Bevölkerung auslöste.
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Nach „Shanghai Express“, dem zweitbekanntesten Film des mittlerweile sehr erfolgreichen Duos, fing Sternberg an, auch die Fotos, die von Marlene gemacht wurden, zu kontrollieren. Er modellierte ihr Gesicht durch perfekte Schattenwirkungen, die durch direkt über ihrem Kopf angebrachtes Licht erzeugt wurden. So praktizierten sie Filmarbeiten und Glamour-Fotografie bis zur Perfektion. Jede Aufnahme war ein Kampf und mit unglaublich harter Arbeit verbunden, deren Mühen jedoch unbedingt unsichtbar bleiben mussten. Marlene nahm die Techniken von Sternberg selbst auf und gab sie noch an Generationen von Fotografen und Regisseure weiter. Sie wusste nun, wo ihre Qualitäten lagen und wie sie fotografiert werden musste. Sie schaffte es auch in der Regel, ihre Vorstellungen durchzusetzen.. So half sie sich selbst, den Glanz ihres Erscheinungsbildes zu erhöhen. Sie verlangte z.b. bei Fotoaufnahmen stets nach einem körpergroßen Spiegel, der direkt neben der Kamera zu stehen hatte, um das Licht über ihrem Kopf und ihre Posen zu kontrollieren.
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Natürlichkeit, Spontaneität und Unabsichtliches hatten bei ihrer Arbeit nichts zu suchen. Jeder Auftritt war bewusst und bis zur Unwirklichkeit inszeniert. So legte sie auch noch in den letzten Jahren ihr Hauptaugenmerk darauf, dieses Image der Herrschaft über ihr Erscheinungsbild zu wahren. Als sie den natürlichen Alterungsprozess ihres Körpers und Gesichts nicht mehr drosseln konnte, ließ sie sich nicht mehr fotografieren und schottete sich in ihrer Pariser Wohnung so gut ab, dass es auch niemandem gelang. Sie war nur noch bereit, ihre Stimme hören zu lassen, so wurde das Telefon ihr einziger Kontakt zur Außenwelt.
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